70 Jahre Magnetschwebetechnologie in Deutschland

Die ersten Forschungsarbeiten begannen bereits 1922


Am 11. August 1934 begann ein bemerkenswertes Patent von Hermann Kemper aus Nortrup im Emsland nach 12 Jahren Forschungsarbeit.

Patenturkunde von Herrmann Kemper
Zusatz zum Patent 643316

In der Patent-Schrift vom 11.08.1934 heißt es hierzu:

"Die Erfindung löst die Aufgabe, Körper mit Hilfe elektromagnetischer Kräfte entgegen der Erdschwerkraft in der Schwebe zu halten. Sie bringt weiter unter Aufwendung der gefundenen Lösung die Grundlage für ein neuartiges Verkehrsmittel, die Schwebebahn. Die Schwebebahn ist eine Schienenbahn für Menschen- und Güterbeförderung, bei der die räderlosen Fahrzeuge eisernen Schienen entlang schwebend geführt werden."
[Zeilen 1-10, Seite 1]

... "Der Lösungsversuch durch Erzeugung magnetisch abstoßender Kräfte größere Fahrzeuge zum Schweben zu erhalten, muß an dem dafür erforderlichen Aufwand scheitern; dieser ist der Natur der Dinge um ein Mehrfaches größer als bei Verwendung magnetisch anziehender Kräfte."
[Zeilen 1-10, Seite 1]

... "Die Abstandssteuerorgane ... sind mechanisch unveränderliche, jedoch in ihrem elektrischen Widerstand durch den Abstand von den Schienen beeinflußte, elektrische oder magnetische Anordnungen (z.B. Kondensatoren ... oder Drosselspulen ...) und werden in elektrische Stromkreise eingeschaltet, wobei sie an ihren Polen Spannungen erzeugen, die sich mit dem Abstand von den Führungsschienen unverzüglich ändern. Diese Spannungen werden, soweit erforderlich, in ebenfalls trägheitsarmen Schaltungen verstärkt und, gegebenenfalls gleichgerichtet, elektrischen Röhren zu deren Steuerung zugeführt."
[Zeilen 114-122, Seite 3 und Zeilen 1-6, Seite 4]

Nach Unterbrechungen durch den zweiten Weltkrieg sollten 35 Jahre später neue Impulse zur Umsetzung der Forschungsarbeiten Kempers durch die von SPD-Verkehrsminister Georg Leber in Auftrag gegebene Projektstudie Hochleistungsschnellbahn ausgehen. 2 1/2 Stunden bis München - so betitelten Tageszeitungen die Vision eines Verkehrssystems, mit dem man fliegen kann ohne wirklich zu fliegen. Das Projekt sollte 1980 fertiggestellt werden. Aber warum ist es in Deutschland so schwer, Erfindungen zur Anwendung zu bringen und gewinnbringend zu vermarkten? Soll die Erfindung Herrman Kempers dasselbe Schicksal erleiden, wie die Erfindung von Rudolf Hell, das Fax, oder die Vision von Manfred von Ardenne eines hochauflösenden Fernsehens, welche zuerst in Fernost und dann in Amerika zu einem wirtschaftlichen Wachstum führen und erst viel später bei uns?

Fest steht, daß Aufbruchsmentalität und Pioniergeist, wie sie in den fünfziger, sechziger und Anfang der siebziger Jahren noch vorherrschten, den Deutschen immer weiter abhanden gekommen sind und daß es auch Unternehmen gibt, welche eine neuartige Technologie auch als Bedrohung für ihr Kerngeschäft ansehen. Es hätte auch schon genug Gründe gegeben, Bahnsysteme im 19.Jahrhundert erst gar nicht einzuführen.

Die Patentschrift wurde zitiert in:
Gerd Hugenberg: Herrman Kemper. Ideen, Visionen und wissenschaftliche Arbeit zur berührungsfreien, schwebenden Fahrtechnik.
VDI Osnabrücker Bezirksverein e.V. 1924 - 1999



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